Innovationen sind toll, wenn sie nur nicht so neu wären!

Wolfram M. Walter, PMD Akademie, Gera im November 2018

© Artram Fotolia.com

Größer könnte der Kontrast nicht sein: Anfang der Woche höre ich mir einen tollen Vortrag von dem Geschäftsführer einer Innovationsplattform an, der sinngemäß fordert: Wer innovativ sein will, braucht am Anfang etwas Mut, dann für die Umsetzung etwas Mut und am Ende nur noch ein wenig Mut.

Heute nun lese ich in einer Fachzeitschrift aus der Energiebranche (ZfK vom 28.11.2018), dass die Stadtwerke ihre Geschäftsmodelle anpassen müssen, weil die reine Versorgung mit Energie nicht mehr ausreichend ist. Zitat: „Rund die Hälfte der Stadtwerke, so hat PWC ermittelt, will schon bald mit auf diesem Zug sitzen und sehen ihre Zukunft als modernen Dienstleister, der nicht mehr nur Strom und Gas, sondern Mehrwertdienste liefert – und trotz Fernauslese und digitaler Steuerung von Kundenanlagen immer noch der Versorger in der Heimat bleiben will.“

Hört sich gut an, und vor allem: Es ist richtig! Doch die Realität sieht leider anders aus. Man sieht Risiken bei den hohen Anlaufkosten, Vorsicht ist im Grundsatz geboten, man spricht von einem überschaubaren Mitteleinsatz. Innovative Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind gewünscht, aber der Einsatz muss zum Tagesgeschäft passen. Neue Dinge auszuprobieren ist gut, besser wäre es, man hätte mit den neuen Produkten schon Erfahrung! Bevor man etwas Neues entwickelt, muss man die DSGVO-Konformität prüfen und natürlich darf auch nichts schief gehen. Die Fehlerkultur im Unternehmen sollte schließlich nicht überstrapaziert werden. Da die erste Kundenbefragung nichts Innovatives ergeben hat, schließt man eine zweite Befragung an, was das Ergebnis nicht besser macht. Wenn schon neue Produkte, dann bitte nicht zu radikal, sondern ähnlich dem, was man schon hat. Wenn man neuen Boden betritt weiß man ja nie, wie fest der Untergrund ist. Und natürlich geht man erst dann mit einem neuen Produkt raus, wenn nicht nur der Primär-Test erfolgreich war, sondern auch der Sekundär- und der Tertiär- und der … bis hin zum Dezimär-Test. Dumm, wenn bis dahin die Idee veraltet ist oder die Wettbewerber mal wieder schneller waren.

Liebe Verantwortliche in den Unternehmen: Niemand verlangt, dass Sie blind in ein Risiko gehen oder die Stabilität des eigenen Unternehmens durch kuriose Investitionen und Ideen gefährden. Auf der anderen Seite sollten Sie bedenken, welches Risiko Sie eingehen, wenn Sie kein Risiko eingehen. Es braucht nicht viel, um innovativ zu sein. Ein wenig mehr Vertrauen in die eigene Mannschaft, ein wenig Unterstützung in Form von agilen Methoden und Strukturen und somit ein Stück agile Unternehmenskultur.

Machen ist wie wollen, nur krasser.

 

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