Vergesst bei den digitalen Produkten die größte Zielgruppe nicht!

Wolfram M. Walter, Geschäftsführer der PMD Akademie und Agilphilosoph

Ich halte die Kundenzeitschrift von einem recht großen Versorger (23 Mio. Kunden weltweit) in den Händen und blättere mal einfach so durch. Es beginnt mit einem Papierkalender für 2019, den man sich im Kundenservice abholen kann und es wird die Möglichkeit beschrieben, seine Abschläge online ändern zu können.

Auf den Folgeseiten geht es um SmartHome-Lösungen, unterstützt von einem Mann (ca. 35 – 40 Jahre alt) mit einem Jungen auf dem Arm (ca. 7 – 9 Jahre alt). Weiter geht es um dezentrale Lösungen für die Heizungssteuerung, in diesem Fall garniert mit einer jungen Frau Anfang 30 und einem Hund (Alter schwer schätzbar) und um das Laden des Autos mit eBox, symbolisiert durch einen Herrn Mitte 30 mit Tablet. Einen Umzugsservice gibt es auch, aber laut abgebildeten Personen ist das eher etwas für Mitte 20 bis Anfang 30. Sharing Communities dürfen nicht fehlen, scheinbar betrifft es die Zielgruppe um die 30 und zum Schluss gibt es eine Familie, die für das Online-Magazin wirbt. Gefühlt sind die Eltern Anfang 30 mit zwei Kindern zwischen 5 und 10.

Warum ich das aufschreibe?

Weil alle ab 40+ in dieser Welt nicht vorkommen! Dabei besteht fast die Hälfte (47,19 %) der Bevölkerung in Deutschland aus Menschen, die älter als 40 Jahre alt sind (Quelle: www.statista.com).

Da kann ich den Unternehmen nur den Tipp geben, mit Blick auf IT-unterstütze Produkte und Leistungen sich ein paar Zahlen vor Augen zu halten:

  1. Im Jahr 2017 verfügten die 50–59-Jährigen über 18 % der Kaufkraft und die, die älter als 60 Jahre waren, sogar über 29 % der Kaufkraft in Deutschland (Quelle: statista.com)
  2. Zwischen 1993 und 2013 sind die Konsumausgaben der über 60-Jährigen von 192,2 auf 375,3 Mrd. Euro gestiegen und haben sich damit fast verdoppelt. Rund 17.700 Euro jährlich gibt jeder über 60 im Schnitt für den Konsum aus. (Quelle: gdv.de)
  3. Über 35 Millionen Menschen in Deutschland nutzen Internet-Vergleichsportale (Quelle: statista.com)
  4. einer Studie des Beratungshauses PWC gehen 59 % der Befragten zwar in ein Ladengeschäft, sind aber mit der Beratung häufig unzufrieden und kaufen dann im Online-Shop, wo Kundenbewertungen den „Beratungsjob“ übernehmen. (Quelle: www.pwc.de)
  5. Statistischem Bundesamt (2017) nutzen 95 % der Menschen in der Altersgruppe 45 bis 64 das Internet und 63 % in der Altersgruppe 65+ (Quelle: www.destatis.de)

Wer also der Meinung ist, die älteren Menschen sind dankbare Bestandskunden, weil eher träge und wechselscheu, könnte mächtig falsch liegen. Aktuell haben wir einen interessanten Effekt: Das Durchschnittsalter der bei Versorgern beschäftigten Menschen liegt bei 49 Jahren. Diese entwickeln Lösungen für Menschen unter 30. Durch den Generationswechsel in den kommenden Jahren wird das Durchschnittsalter in Richtung 40 sinken, dagegen das Alter der Zielgruppen aber steigen. Das wird das Verstehen dieser Kunden (Interessen, Erwartungen, Haltungen) nicht einfacher machen.

Fazit: Insbesondere die Versorgungsunternehmen sind gut beraten, kreative digitale Lösungen und Produkte für ältere Menschen zu entwickeln. Gerne können wir uns einmal darüber unterhalten, was alles denkbar bzw. möglich ist und warum agile Methoden und Strukturen dabei helfen könnten. Schließlich weiß ich mit 60+, wie die Zielgruppe tickt.

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